Gründungsgeschichte Bahlinger Silberberg-Hexen

Es war einmal eine Idee, die schwebte, noch namenlos und nur als vage Andeutung erkennbar, im Spätjahr 2001 wie eine einsame Schneeflocke vom Himmel. Damals ahnten wir nicht, dass sie den Boden, auf den sie fiel, ungewöhnlich fruchtbar machen sollte - so wie es nur ganz besondere Schneeflocken können - und dass auf diesem Untergrund gut zweieinhalb Jahre später, in einer lauen Sommernacht, eine prächtige Blüte aufgehen sollte.
Und das Ganze kam so: Obwohl wir fastnächtlich recht unbeschriebene Blätter waren, wagte es ein befreundetes Paar, uns bei der Organisation des Narrentreffens der Fastnachtsvereinigung „Berg und Tal“ im Jahr 2002 im schönen Wagenstadt um Hilfe zu bitten. Weder Gefahren noch Unbill scheuend, sagten wir kurzerhand zu - mutig und abenteuerlustig wie wir waren. Wir - Martin Lickert, Karol Zieba, Marion Beck und Sven Heckel - bildeten ein vierblättriges Kleeblatt, das zu allem bereit war. Doch bald begann uns eine Frage Kopfzerbrechen zu bereiten, mit der wir bei dieser Aufgabe zuallerletzt gerechnet hätten: Was um Himmels Willen sollen wir nur anziehen? Ob sie geheimen Einflüsterungen erlag, vermag Marion heute nicht mehr zu sagen, doch erklärte sie sich nach kurzer Überlegung bereit, für uns ein Häs zu nähen, dessen Erscheinungsbild an das der Wagenstädter Hexen angelehnt war.
Gesagt, getan! Unsere Aufmachung bestand aus einem blauen Rock, einem blauen Pullover, einer roten Schürze, einem roten Halstuch, rot-weiß gestreiften Ringelsocken sowie Strohschuhen - und unser allererster Auftritt in dieser Hexengestalt bei besagtem Narrentreffen gelang rundherum. Danach begann jedoch die Fasnetszeit 2002 erst so richtig, und was wäre unsinniger gewesen, als das eben erst geschaffene Häs nun nutzlos in den Schrank zu hängen? So entschlossen wir uns, die Gegend unsicher zu machen, besuchten Umzüge und Fasnetsveranstaltungen im ganzen Landkreis und fanden zunehmend Gefallen am Hexendasein. Unsere Auftritte stießen auf positive Resonanz, und bald wurden wir neugierig gefragt, zu welcher Zunft wir gehören. An diesen Aspekt hatte keiner von uns bisher gedacht, aber der Gedanke an eine eigene Zunft klang durchaus verlockend. In nächtlichen Sinnierungstreffen wurde der Name Bahlinger Silberberg-Hexen geboren: Unsere Figur sollte sich an eine „Kräuterlies“ vom Bahlinger Silberbrunnen anlehnen. Das Ganze passierte so schnell, dass wir uns manchmal fragten, ob auch alles  mit rechten Dingen zugeht. Noch heute grübeln wir, ob echte Hexerei oder Zauberei zumindest ein kleines bisschen mit im Spiel war.
Wie dem auch sei: Es gelang uns, ein paar weitere Fasnachtswillige zu behexen. Corinna und Sebastian stießen im Spätjahr 2002 zu unserer Truppe und auch Kai, der Sohn von Karol, ging das ein oder andere Mal mit uns auf Tour. Wir fühlten uns immer wohler in unserer närrischen Gestalt und beschlossen folgerichtig, unser Häs zu verfeinern. Unsere Schürzen erhielten grüne Rebblätter und unsere Oberteile wurden mit dem Namen „Silberberg-Häxe“ und einer auf einem Besen reitenden kleinen Hexe verziert. Vollständig ist ein Häs jedoch nur mit einer richtigen Maske. Dieser Gedanke kam uns allerdings erst mit Verzögerung. Kurz vor dem Beginn der Fasnet 2004 hielten wir Ausschau nach einem Maskenschnitzer. Aber es war wie verhext: Auf die Schnelle ging nichts mehr. Trotzdem genossen wir die Fasnet sehr, hatten eine Menge Spaß miteinander und jeder einzelne wurde in seiner Entscheidung bestärkt, die Silberberg-Hexen zu einer starken Truppe zu machen.
Voller Tatendrang ging es so nach der Fasnet 2004 an die Aufgabe, die Silberberg-Hexen offiziell zu gründen. Alle arbeiteten Hand in Hand und so mancher Besenritt wurde unternommen, um die passenden Farben für das neu gestaltete Häs auszuwählen und eine professionelle Näherin zu engagieren. Mit Adrian Burger aus Elzach fanden wir einen Maskenschnitzer, der unsere Vorstellungen vom passenden Hexenantlitz in die Tat umsetzte.
Am 16. Juli 2004 ging die Saat schließlich auf: Im Gasthaus „Hecht“ in Bahlingen fand die offizielle Gründung der Silberberg-Hexen statt. Der Eintrag ins Vereinsregister Kenzingen erfolgte unter dem Aktenzeichen VR 405 am 14. September gleichen Jahres (dies nur für Statistik-Fans, aber auch die soll es ja nach wie vor geben). Seither sind wir regelmäßig als besenschwingende alte, aber erstaunlich gelenkige Weiber an vielen Fasnets-Veranstaltungen unterwegs - und das soll noch lange so bleiben.